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Old 04-04-2007, 05:51 PM   #315
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Default Re: *~!Waskeholics Unite!~*

do i have to translate this in english? if so, i'll do it. for now, i'll just post the original interview. pretty interesting and intelligent stuff. not the usual "stupid question - stupid answer"-interview.

this guy is simply brilliant! from the Frankfurter Allgemeine Zeitung

http://tinyurl.com/ytpwl8

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Interview

„Wie ein Raubtier, das Beute riecht“

04. April 2007

Die deutsche Tennis-Nationalmannschaft steht beim Davis-Cup-Viertelfinale gegen Belgien vor einer Bewährungsprobe. Im Interview spricht Alexander Waske über T-Shirts in schwarz-rot-gold, seine Alkohol-Abstinenz und die Rente mit 67.

Ein Viertelfinale gegen Belgien - ist das die große Gelegenheit, endlich im Davispokal wieder für Schlagzeilen zu sorgen?

Ohne Belgien unterschätzen zu wollen: Das ist eine große Chance. Wenn man sich die anderen Teams im Viertelfinale ansieht mit Spanien, Russland, Amerika, Argentinien, Chile und Frankreich, dann kannst du nicht klagen, wenn du gegen Belgien spielen musst. Wenn du in Deutschland was mit Tennis bewegen willst, dann musst du das über die Nationalmannschaft machen. Tommy Haas würde sicher große Aufmerksamkeit erregen, wenn er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen könnte, aber keinen Hype erzeugen. Mit ihren Nationalmannschaften identifizieren sich die Deutschen am meisten.

Warum ist Teamgeist bei einer Tennismannschaft eigentlich so wichtig? Zwei gute Einzelspieler und ein eingespieltes Doppel müssten doch auch genügen. .

Wenn du in einer Halle vor 5000 Zuschauern spielst, und in deiner Box feuern dich elf an und einer nicht, dann nimmt dir dieser eine unheimlich viel Kraft. Wenn da nicht alle an einem Strang ziehen, geht es nicht. Dann funktioniert vieles einfach nicht. Die Stimmung beim Training ist nicht so locker, dann gibt es Probleme mit den Finanzen, mit den Trainings- und Massagezeiten, dann werden Freizeitaktivitäten boykottiert, und letztlich fühlst du dich schon nicht mehr wohl, wenn du in den Mannschaftsraum kommst. So erreichst du als Team nichts.

Ist es einfacher, wenn einer der absolute Führungsspieler ist?

Für die Stimmung ist das vielleicht einfacher, weil es dann keine Streitigkeiten gibt, wer die beste Trainingszeit oder die meiste Behandlung bekommt. Tommy Haas ist unangefochten unsere Nummer eins, und ich habe kein Problem damit, morgens um 8.30 Uhr zu trainieren, wenn ihm 11 Uhr lieber ist. Es ist wichtig, dass eine Mannschaft zusammen ein Ziel hat, aber es muss auch eine Hackordnung geben. Tommy ist respektiert und anerkannt, aber es ist auch nicht so, dass er jetzt mit den goldenen Löffeln essen will. Er ist einer von uns, wir reden über alles.

Mangelnde Unterstützung für Ihre Mitspieler kann man Ihnen kaum vorwerfen, so wie Sie mitfiebern. Wie schwer fällt es Ihnen, erst zuschauen zu müssen?

Ich habe dazulernen müssen. Ich darf mich nicht am Freitag bei beiden Einzeln so voll reinhängen, denn das kostet unheimlich viel Kraft. Ich durchlebe so ein ganzes Spiel mit, bin genauso konzentriert. Ich achte darauf, dass die letzte Worte, die unser Spieler vor dem nächsten Ballwechsel hört, positiv und deutsch sind. Das geht auch im Ausland, ich habe das damals in Sundern gegen Weißrussland gelernt. Die hatten drei Fans mit, und einer von denen hat immer als allerletzter noch was für May Myrni gerufen. Das ging einem tierisch auf die Nerven. Aber wenn ich das in zwei Spielen hintereinander mache, dann bringen mich diese Stresshormone danach um und mir fehlt am nächsten Tag selber die Kraft. Das war so gegen Frankreich im vergangenen Jahr.

Sie sind sehr emotional auf und neben dem Platz. Hat Ihnen denn schon ein Gegner mal gesagt, dass Sie ihm tierisch auf die Nerven gehen?

Ich bin grundsätzlich ein Spieler, der polarisiert. Ich habe viele Freunde, aber vermutlich auch genau so viele, die mich überhaupt nicht leiden können. In der südamerikanischen/spanischen Fraktion bin ich nicht sehr beliebt. Da gibt es viele Vorurteile, viele Sprachbarrieren, und eben auch meine Spielweise. Ich gebe ihnen keinen Rhythmus, spiele Stopps und Serve and Volley, haue acht Bälle in den Zaun und dann aber vier hintereinander ins Feld. Dann hast du ein Break kassiert, aber kein Tennis gespielt, und das mögen Sandplatzspieler nicht. Tennisspieler sind ja oft auch Künstler, und ich bringe das mehr auf die körperlich-mentale Ebene.

Und dann haben Sie auch noch ein Trikot mit den deutschen Landesfahnen getragen. . .

Meiner Meinung nach war das eine sehr clevere Marketingidee meines Managers Dirk Hordorff, aber im Ausland kam das nicht immer so gut an. In Amerika war das kein Problem, die kommen mit Patriotismus klar, in Australien interessiert es keinen, aber in Frankreich, Holland und Tschechien habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht mit "Nazi"- und "Hitler"-Rufen. Vielleicht war es zu provokant, die Farben so deutlich zu tragen.

Das Doppel spielt im Davis Cup oft die entscheidende Rolle. Was macht ein gutes Doppel aus?

Kommunikation, Zusammenhalt, Zusammenarbeit auf dem Platz. Es gibt so Doppel mit zwei guten Spielern, aber wenn der eine plötzlich Fehler macht, dann guckt der andere raus und will signalisieren: Ich bin nicht schuld, der andere ist es. Ein gutes Doppel macht so was nicht, niemals. Du sprichst dich ab, du hilfst dir auf dem Platz. Und du weißt, wie es bei dem anderen aussieht, du spürst das, vor allem in den kritischen Phasen.

Wie wichtig ist die Körpersprache?

Du bewegst dich ja wie ein Raubtier, das Beute riecht. Wenn du merkst, dass einer von den beiden schwächelt, hadert, Angst bekommt, dann geht die Feuerwehr auf den los. Dann wird sich auf den eingeschossen, und wenn er dem nicht standhalten kann, dann bekommt er jeden Ball. Und wenn so ein Doppel nicht zusammenhält, dann kann einer völlig zusammenbrechen und trifft keinen Ball mehr.

Sie sind erst mit 25 Jahren Profi geworden, haben erst durch das Studium in den Vereinigten Staaten beim College-Sport den Sprung nach vorne gemacht. Wäre das hier nicht möglich gewesen?

Es ist mir eigentlich von allen gesagt worden: Junge, du hast es nicht, probiere es erst gar nicht. Ich habe das dann auch geglaubt, war ja selber davon überzeugt, nicht gut genug zu sein. Aber in Amerika ist die Denkweise ganz anders, da kommt dieses super-positive zum Tragen, was Dir als Deutscher erst mal suspekt ist. Ich komme also dahin, bin Nummer 190 in Deutschland, und mein Coach erzählt mir etwas von erst hundert Weltrangliste. Da habe ich gesagt, sie sind ja ein netter Kerl, aber sie haben ja gar keine Ahnung von Tennis. Dann hat er geantwortet, du siehst nicht das, was ich sehe. Du hast ein großes Potential. Gib uns Zeit, wir schaffen das. Das hat 18 Monate gedauert, bis ich ihm geglaubt, denn unsere deutsche Mentalität ist sehr nüchtern, da wird nicht geträumt, nicht mit Phantasie gearbeitet.

Tennisprofi aber hört sich immer ein wenig nach Glamour, tollen Hotels, Strand und Luxushotels an. Aber Sie müssen ja auch die Turniere der zweiten Kategorie spielen. Wie einsam ist denn so ein Abend nach einem Spiel bei einem Challenger-Turnier in Nottingham?

Furchtbar, eine Katastrophe. Du hast ein Hotel ohne Luxus, bist alleine, gehst alleine essen, mal ins Kino und wieder ins Hotel. Du verbringst viel Zeit am Laptop. Viele deutsche Tennisprofis machen bei einem Fußball-Bundesliga-Managerspiel mit. Ich kenne wahrscheinlich die kompletten Kader aller Bundesvereine. Aber generell hat mit mal jemand früh einen Tipp gegeben: Du musst lernen, Spaß zu haben auf der Tour und mit dir alleine Zeit verbringen zu können.

Sie sind Profi seit Sommer 2000. Gab es Phasen, in denen die Lust weg war?

Nie so, dass ich gesagt habe, ich höre auf. Dafür habe ich mir viel zu viel ermöglicht. Vor drei Jahren gab es einen Riesenaufschrei, als ich als viertbester deutscher Doppelspieler für den Davis Cup nominiert wurde. Und jetzt ist Haas gesetzt, und Waske auch. Und wie einfach ist das, hier jetzt zu trainieren und nicht zittern zu müssen, ob der Teamchef an meine Tür klopft und sagt: Sorry, hat nicht ganz gereicht. Wenn ich mich nicht verletze, dann spiele ich am Samstag. Ich bin sicher im Team, und da bin ich sehr stolz drauf.

Und Sie haben die Marke von einer Million Dollar Preisgeld geknackt, dazu kommt die Gage aus der Bundesliga. Hat es sich also gelohnt?

Sagen wir mal so: Auf der Liste von meinem Abiturjahrgang war eine Umfrage, wer wohl als Erster die Million schafft. Da war mein Name nicht dabei. Ich könnte jetzt nirgendwo arbeiten und würde genauso viel verdienen wie jetzt, auch wenn ich viele Kosten habe und noch viele Steuern zahle, erst im Ausland und dann in Deutschland. Aber ich brauche keinen Porsche und habe auch keine Uhr, die 12.000 Dollar kostet. Ich habe mein Geld lieber angelegt, mir beispielsweise eine Wohnung gekauft und vermietet.

Da kommt die Banklehre durch. . .

Zum einem die Banklehre und der Deutsche, zum anderen trinke ich keinen Alkohol. Ich könnte also nie in einem Club feiern, meine Kreditkarte abgeben und für 1200 Dollar Wodkaflaschen bestellen. Mir reichen zwei Cola am Abend.

Sie haben noch nie Alkohol getrunken?

Noch nie, nicht einmal probiert. Ich habe noch nie geraucht, noch nie Alkohol getrunken und noch nie Drogen genommen. Ich hatte in der zweiten Klasse eine Grundschullehrerin, die hat uns mal erklärt, wie gesundheitsschädlich das ist. Später war ich dann ziemlich out, weil schon in der 6. oder 7. Klasse bei Partys Zigaretten und Alkohol organisiert wurde, und ich allen gesagt habe, wie doof sie sind. Jetzt finde meine Freunde das natürlich toll: Ich kann immer fahren.

Bekommt man als Pendler im Mikrokosmos Tennisprofi noch mit, was zuhause für Themen aktuell sind, also Pendlerpauschale, Tornadoeinsätze oder Rente mit 67 Jahren?

Diese Diskussionen bekomme ich schon mit, weil ich mir online die Nachrichten durchlese. Was ich nicht mitbekomme, ist der Klatschpart, wer bei den Superstars mitmacht oder welche Serie gerade in ist. Bei einem Turnier ist mir mal eine Serien-Schauspielerin vorgestellt worden, die jeder im Raum kannte. Ich hatte sie noch nie gesehen. Aber Rente mit 67 und einige politische Diskussionen interessieren mich, und die Aktienkurse kenne ich auch.

Was nimmt man denn noch mit aus einer Profikarriere außer Geld?

Patrik Kühnen hat mir in Düsseldorf vor einem Spiel in der Kabine mal gesagt: Die Armen, die so etwas nie miterleben dürfen. Das ist so ein kleiner Leitsatz, der alles beschreibt. Diese Gefühle, die in uns drin sind, was da alles so passiert auf dem Platz. Mein Opa hat mich als kleiner Junge immer angefeuert und gesagt: Später werden die Leute mal dastehen und rufen: Alex, Alex! Sie werden dich anfeuern, du wirst ein ganz toller Sportler. Mein Opa ist aber gestorben, da war ich noch ein kleines Licht, da war ich kein Davis-Cup-Spieler. Und meine Oma hat in Frankreich gelebt und war ein extremer Tennisfan, für sie waren die French Open das Größte. Die wäre durchgedreht, wenn sie gesehen hätte, dass ihr Enkel da spielt. Diese Sachen haben die leider nicht miterlebt, aber ich habe das in mir, diese Gefühle, die einen sofort übermannen, aber teilweise auch erst ein paar Tage später kommen. Da sind auch Niederlagen dabei, die richtig weh tun, aber auch ein Nervenkitzel, bei dem es einem kalt den Rücken runterläuft wie letztes Jahr beim World Team Cup. Da bist du geladen bis in die letzte Ecke und musst aufpassen, dass du nicht überdrehst.

Lernt man Profi denn etwas, was in einer späteren beruflichen Karriere hilfreich wäre?

Ich weiß nicht, wie viele im Studium lernen, vor Tausenden von Menschen aufzutreten oder Interviews zu geben. Du musst dich überall auf der Welt zurechtfinden, in jeder Sprache, du musst dir überall ein Essen organisieren können, ohne am nächsten Tag eine Lebensmittelvergiftung zu haben. Und dann noch etwas, was nur Leistungssportler verstehen: Wir können uns auf den Punkt konzentrieren, und keiner Zuschauer weiß, was das bedeutet, den Druck auszuhalten beim Matchball funktionieren zu müssen. Im Tennis musst du immer dranbleiben, du musst es selber gewinnen. Es ist selten, dass dein Gegner für dich die Punkte macht. Aber den Leben ist fremdbestimmt. Ich weiß manchmal nicht, welches Datum wir haben, sondern nur, wo ich demnächst spiele.

Das können wir ja testen. Wo spielen Sie nach dem Davis Cup?

Zunächst Chiasso, dann Cardiff, Barcelona, München, Rom, Hamburg, World Team Cup, French Open, Halle und Wimbledon. Und weiter ist noch nicht geplant.

Das Gespräch führte Peter Penders.
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