MensTennisForums.com - View Single Post - Boris Becker's Biography

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Old 11-10-2003, 08:19 AM   #10
DiNaPic
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Die große Boris-Becker-Serie, Teil 7

Deshalb trennte ich mich von Barbara

Von BORIS BECKER

Barbara hatte Brote gemacht. Ich saß am Kopfende des Esstisches, ein kleines Weißbier vor mir, sie links neben mir an der Seite, ein Glas Champagner in Griffweite. Sie liebt Champagner. Es war kurz nach zweiundzwanzig Uhr an diesem Samstag im November 2000.
„Barbara, es geht nicht mehr, wir müssen uns trennen!“ Sie war ganz ruhig. Sie hat nicht geschrien, nicht geweint, sie war nicht überrascht. Sie hat in diesem Moment nicht einmal nach dem Warum gefragt. Wie zwei erwachsene Menschen begannen wir, sachlich über die Trennung zu reden.
Das Ende meiner Tenniskarriere war auch der Anfang vom Ende meiner Ehe – so klar kann ich das heute sagen. 1997 hatte ich eigentlich schon aufgehört und mich im Wimbledon-Finale gegen Pete Sampras vom großen Wettkampftennis verabschiedet.


Boris Becker (35) bezeichnet die Scheidung von Babs als „größte Niederlage meines Lebens“



Zwei Jahre habe ich dann noch „abtrainiert“, hier und da herumgespielt, um mich physisch und psychisch von der Welt des Profi-Tennis zu lösen.
Was wir dabei vergaßen: Auch Barbara hätte ein Entwöhnungsprogramm durchlaufen müssen, denn als ich 1999 in Wimbledon das Kapitel Tennis endgültig abschloss, fragte sie mit großen Augen: „Schön und gut, aber was mach ich jetzt?“
Barbara hatte ihren festen Platz, ihre klar definierte Aufgabe im Tennissystem Becker. Sie repräsentierte uns nach außen, sie hielt den Laden zusammen und mir den Rücken frei. Und auf einmal hatte ich ihr den Lebensinhalt genommen.
Die Folge waren endlose Streitigkeiten. Unsere Gegensätze, die anfangs den Reiz unserer Partnerschaft ausgemacht hatten, wurden nun plötzlich unerträglich, so zum Beispiel ihre Unpünktlichkeit. „Ich weiß nicht, wie ich das jahrelang geschafft habe. Wenn es heißt, wir gehen um zehn, dann bist du nie vor elf fertig.“ Heute lachen wir darüber, aber damals war ich irgendwann an einem Punkt angekommen, an dem das Maß voll war.
Dazu kamen die vielen Menschen im Haus. Immer war die Bude voll. Da war die Familie aus Thailand: Mutter, Tochter und Schwester – Köchin, Nanny und Vertretung der Nanny. Und all die Bodyguards.
Beruflich habe ich ständig mit vielen Menschen zu tun, da wollte ich zu Hause einfach Ruhe haben, wollte mal nackt durchs Haus laufen oder mit meiner schönen Frau Sex auf dem Sofa haben, die Seele baumeln lassen und einfach nur alle viere von mir strecken. Stattdessen musste ich sogar zu Hause noch repräsentieren, eine Rolle spielen.
Wir stritten nur noch. Uns war die Zweisamkeit verloren gegangen.
Nach außen waren wir das perfekte Paar, die Lieblinge des Boulevards. Barbara im roséfarbenen Seidenkleid und Boris im Smoking neben Produzent Arthur Cohn beim Oscar in Los Angeles. Boris und Elton John beim Tennis-Match im Beverly Hills Hotel. Barbara als heimliche „First Lady“ Deutschlands, die beim Staatsempfang auf Schloss Bellevue den französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac genauso bezirzt wie den deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau. Wir suchten beide zuletzt immer mehr das Licht der Öffentlichkeit, weil wir den Schatten
unseres Privatlebens entfliehen wollten.
„Aus wegen ihr?“, fragte BILD. Und zwölf Millionen Leser glaubten, dass Sabrina Setlur, der deutsche Rap-Star aus Rödelheim, der Grund sei. Später waren Sabrina und ich tatsächlich für eine Weile ein Paar. Zu diesem Zeitpunkt aber war Sabrina nur eine gute Freundin, sowohl von Barbara als auch von mir.
Selbst Barbaras Drohung, mit den Kindern in die USA zu gehen, hatte mich nicht von der Entscheidung abgebracht, sie vorläufig zu verlassen. Sie war verdutzt, erstaunt, verunsichert. Auf einmal flehte sie: „Geh doch nicht weg. Wir schaffen das, wir versuchen es!“ Ich aber wollte nicht mehr zurück.

„Nein, Barbara, das ist jetzt meine Entscheidung. Wir brauchen die Pause dringend.“ Da schaltete sie schnell um von der verzweifelten Ehefrau auf die klar und kühl Handelnde: „O.k., dann gehe ich nach Miami.“


Barbara Becker (37) war zehn Jahre lang die Frau an Boris’ Seite. Zum Schluss „stritten wir nur noch“, schreibt er

Eine Woche war Barbara nun schon mit den Kindern weg. Wir telefonierten, wir stritten übers Handy weiter. Die Kinder waren plötzlich für mich nicht mehr zu sprechen. „Sie wollen nicht mit dir sprechen“, sagte sie. Aber Elias konnte noch gar nicht reden, und Noah und ich sind seit sechs Jahren ein Herz und eine Seele. Der sagt so etwas nicht. So langsam machte ich mir Sorgen.

Am Sonntagmorgen, neun Tage, nachdem Barbara gegangen war, machte ich mich auf nach Miami.
Die Wohnung war leer, wie ausgestorben. Keine Barbara, kein Elias, kein Noah.
Wo, um alles in der Welt, sind die, verdammt noch mal?“ Niemand wusste etwas – oder wollte mir niemand etwas sagen? Die Stunden vergingen, gegen Abend zog ein Gewitter auf. Ich rief alle möglichen Menschen in Miami an, und bei Tariq, einem arabischen Freund von mir, wurde ich schließlich fündig. „Ja, Barbara und die Kinder sind bei mir“, sagte er. „Gib mir Barbara“, forderte ich.

Endlich war Barbara am Telefon. „Ich komme in einer Stunde.“ Warten, wieder warten. Ich fuhr zum Mittagessen in mein Stammlokal, das „Sports Café“ in South Beach. „Komm bitte da hin, wenn du fertig bist“, bat ich Barbara. Kaum hatte ich das Handy ausgemacht, merkte ich, dass mir ein Auto folgte. Ich rieche das nach all den Jahren im Visier der Paparazzi zehn Meilen gegen den Wind. „Oh, shit! Was passiert jetzt?“
Ich stieg aus, der Mann stieg aus. Er war etwas kleiner als ich. Mit dem wurde ich notfalls noch fertig. Er fragte mich, ob ich Boris Becker sei. Ich bejahte, und er händigte mir ein zwölfseitiges Dokument aus. Ich las nur: „Case No. 00-30252 IN RE: The marriage of Barbara Becker, wife, and Boris Becker, husband ...“. Mir wurde ganz übel. „Können Sie mir bitte sagen, was das soll?“, fragte ich hilflos, „was sind das für Papiere?“ – „Das ist der erste Schritt für die Scheidung auf amerikanischem Boden“, sagte er und ging zu seinem Auto zurück.
Barbara und ihre Anwälte, in erster Linie ein gewisser Samuel Burstyn, über den der „Stern“ schrieb, er sei „ein in Miami bekannter Krawall-Jurist“, wollten mich bis auf die Knochen bloßstellen.

Alle Kontoauszüge sollte ich vorlegen, Versicherungspolicen, Aufzeichnungen aller Rentenzahlungen und Gewinnbeteiligungspläne, Auszüge aller Kreditkartenbelastungen, alle Aktien-urkunden, Anleihen, Mietnachweise, Inventar-verzeichnisse und Bewertungen oder Beschreibungen persönlichen Eigentums, die Einkommenssteuerbescheide der letzten drei Jahre, meine Tagebücher (!) der letzten drei Jahre, Videobänder oder Tonbänder, die aus irgendwelchen Untersuchungen stammten, und sogar meinen aktuellen Vielflieger-Meilen-Stand bei allen Fluggesellschaften, mit denen ich in den letzten Jahren gereist war. Alles vorzulegen innerhalb von fünfundvierzig Tagen.
Ein Wahnsinn: Boris gläsern, nackt in der Öffentlichkeit, denn in den USA sind fast alle Gerichtsakten und -vorgänge öffentlich.
Die Scheidungsschlacht hatte begonnen.


Lesen Sie morgen: Das Match, mit dem ich zum Helden wurde
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