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Old 11-04-2003, 10:24 AM   #1
DiNaPic
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Default Boris Becker's Biography



BORIS BECKER (Teil 1)
Sex wird total überbewertet

Von ROLF HAUSCHILD und CLAUS STRUNZ

Die BamS-Redakteure Claus Strunz (links) und Rolf Hauschild beim Gespräch mit Boris Becker im Berliner Hotel „Adlon“


Die BamS-Redakteure Claus Strunz (links) und Rolf Hauschild beim Gespräch mit Boris Becker im Berliner Hotel „Adlon“


BILD am SONNTAG: Sie haben gerade Ihre Lebenserinnerungen geschrieben. Finden Sie das mit gerade mal 35 Jahren nicht etwas zu früh?
Boris Becker: Nein, überhaupt nicht. Mein Buch ist eine Autobiografie, es erzählt Geschichten über mich und nicht über andere. Das ist der erste wesentliche Unterschied zu vielen Büchern, die zurzeit leider oder zum Glück auf dem Markt sind.

Sie meinen die Werke von Bohlen oder Naddel?

Wenn ein Leser mit dem kleinen Feldbusch oder aber mit Bohlen zufrieden ist – in Ordnung! Ich allerdings habe ein anderes Verständnis von Niveau. Ich rede nicht mal mit meinen Kumpels darüber, wie meine letzte Freundin im Bett war, also werde ich das schon gar nicht öffentlich tun.

Der Auflage könnten solche Bekenntnisse helfen...

Die Auflage interessiert mich nur an zweiter Stelle. Abgesehen davon wird mein Buch in über 50 Ländern verlegt. Ich gehe ehrlich, direkt und klar mit mir um. Und ich habe ja für einen jungen Mann schon ein sehr bewegtes und sehr üppiges Leben führen dürfen.

Angesichts dieses üppigen Lebens hätten wir als Titel Ihres Buchs auch eher etwas in Richtung von „Nichts als die Wahrheit“ erwartet...

Ich finde den Titel „Augenblick, verweile doch . . .“ sehr passend, weil es in meinem Leben wirklich viele wunderschöne Augenblicke gab, aber auch sehr, sehr schwierige und schmerzhafte. Aber all diese Augenblicke, die damit verbundenen Erfahrungen haben den Menschen Becker weitergebracht.

Mit „Augenblick, verweile doch . . .“ zitieren Sie aus Goethes Faust. In dem Drama schließt Dr. Faust einen Pakt mit dem Teufel. Wo haben Sie denn den Teufel getroffen?

Ich war mein ganzes Leben lang ein Grenzgänger, um Gefühle zu spüren und Reaktionen auszulösen. Dabei bin ich auch in Bereiche vorgedrungen, wo ich mir sagte: Hoppla, wenn ich jetzt weitergehe, habe ich ein Problem. Wenn der Gegner zum Beispiel plötzlich das eigene Land, die eigene Justiz ist, dann hört es mit dem Spielen und dem Spaß auf.

Bundesfinanzminister Hans Eichel als Mephisto?

Es geht nicht um Steuern und ums Zahlen, sondern es geht darum, dass der Staatsanwalt in meinem Steuerprozess letztes Jahr versucht hat, mir die Freiheit zu nehmen und mich für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis schicken wollte.

Dann ist also der Staatsanwalt der Teufel?

Ich habe nichts gegen den Mann persönlich. Er hat seinen Job gemacht und ist sicherlich überzeugt von dem, was er tut. Das Irre ist nur: Er will mich in den Knast bringen, und ich bezahle ihn auch noch dafür von meinen Steuergeldern.

Reden wir doch noch mal über Hans Eichel. Er hat Sie, Franz Beckenbauer und Michael Schumacher als „Steuerflüchtlinge“ beschimpft.


Was mich betrifft, ist das faktisch falsch. Für alle meine Geschäfte, meine Verträge, die ich bis zu meinem Umzug in die Schweiz in Deutschland abgeschlossen habe, zahle ich weiterhin in Deutschland die Steuern. Mehr als die meisten Deutschen, ein paar Millionen Euro in den nächsten Jahren. Deshalb stellt sich faktisch die Frage einer Steuerflucht gar nicht. Dazu bin ich ja 1994 freiwillig nach Deutschland zurückgekommen und habe hier seitdem über 25 Millionen Euro Steuern gezahlt. Und dafür habe ich dann einen Tritt in den Arsch bekommen.


Klare Worte. Würden Sie sich als Held bezeichnen?

Nein, ich nicht. Aber ich habe in meiner Karriere Erfolge geschafft, die vor mir noch keiner erreicht hat. Deshalb bin ich für den einen ein Held, für den anderen eine Legende.

Warum sehen Sie sich persönlich nicht als Held?

Ich wollte diese Rolle nie erfüllen und konnte es auch nicht. Ich kannte mich selbst ja nicht nur als Tennisspieler, sondern auch als Mensch. Und ich habe immer auch die dunkle Seite meiner Seele gesehen. Ich will nur als Vater ein Vorbild sein. Und da bin ich kein Star und keine Legende. Bei einem Elternabend zum Beispiel stehe ich nicht auf der Bühne, sondern sitze in der hintersten Reihe.

Aber auch dort bleiben Sie immer der berühmte Boris. Was, glauben Sie, sehen Ihre Kinder in Ihnen?
Die sehen mich nicht als strahlenden Helden. Für die bin ich einer, an dessen Schulter man sich immer lehnen kann. Wenn ich bei ihnen bin – ob es zwei Stunden, zwei Tage oder zwei Wochen sind –, dann bin ich ganz und gar für sie da. Ich hecke mit ihnen Streiche aus, da bin ich ein Kumpel. Ich beaufsichtige die Hausaufgaben, da bin ich streng. Ich spiele mit ihnen Basketball, da bin ich Sportler. Als die Summe all dieser Rollen sehen mich meine Kinder.

Dürfen Ihre Kinder Ihr Buch komplett lesen? Oder gibt es Passagen, in denen sie Ihren Vater nicht wiedererkennen würden?

Ich habe das Buch für meine Kinder geschrieben. Für meine drei Kinder. Damit sie meine Wahrheit schwarz auf weiß haben. Ich habe zwei Söhne, neun und vier, und eine dreijährige Tochter. Und natürlich können die heute noch nicht alles begreifen. Aber sie können ja die nächsten Jahre immer wieder darin lesen und werden dann manches besser verstehen. Die kleine Anna wird beispielsweise erfahren, warum sie mit Nachnamen nicht Becker heißt wie meine Söhne Noah und Elias.

Und es stört Sie nicht, wenn Sie Wahrheiten, die für Ihre Kinder bestimmt sind, zugleich einem Millionenpublikum vorsetzen?

Von diesem Thema habe ich mich vor 18 Jahren – mit meinem ersten Wimbledon-Sieg – verabschiedet. Ich führe ein öffentliches Leben, und deshalb sind auch meine Kinder bekannte Menschen und werden es immer bleiben. Und auch für diese Art zu leben gibt es in dem Buch Hilfestellungen.

Als „Ihre“ Kinder wurden bisher primär Ihre beiden Söhne wahrgenommen. Weniger dagegen Ihre uneheliche Tochter in London, vielleicht auch wegen der dramatischen Umstände...

(lächelt) . . . Sie meinen ihre Entstehung? Anna war ja bereits über ein Jahr alt, als es biologisch durch den DNA-Test feststand, dass ich der Vater bin. Also kann ich zu ihr noch nicht eine so intensive Beziehung haben wie zu meinen Söhnen. Und es wird sicher noch dauern, bis ich lerne, sie hundertprozentig zu lieben. Vor dem allerersten Treffen war ich so unsicher, wie ich reagieren würde. Fange ich an zu weinen, kriege ich totale Vatergefühle? Oder stoße ich sie komplett ab?

Und, wie war’s wirklich?

Irgendwo dazwischen. Ich kann generell gut mit Kindern umgehen. Und mit jedem Besuch habe ich mich mehr getraut, sie in den Arm zu nehmen und mich emotional auf sie einzustellen. Aber eben noch längst nicht so sehr wie auf Noah und Elias, die während der ersten Jahre ihres Lebens sehr intensiv mit meiner Ex-Frau und mir zusammen waren.


Sie wurden mal im Zusammenhang mit der kleinen Anna mit dem Satz „Es war ein Fehler“ zitiert.

Der Satz bezog sich darauf, dass es ein Fehler war, sich mit ihrer Mutter auf diese Art und Weise eingelassen zu haben. Aber es war mein Fehler, meine Schuld, dass es dazu kam. Niemand sonst trägt die Verantwortung. Mit Anna hat das aber nichts zu tun. Da möchte ich Franz Beckenbauer zitieren: Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.

Also stört in Ihrer Beziehung zu Anna irgendwie die Mutter Angela Ermakowa?

Nein, auch dieses Verhältnis hat sich wunderbar entspannt. Wir haben beide realisiert, dass wir eine gemeinsame Tochter haben, und das ist erst mal das Wichtigste. Damit müssen wir verantwortungsbewusst umgehen und ihr eine Chance geben. Für alles andere gilt: Auch hier heilt die Zeit alle Wunden. Bei meinen Besuchen gibt es kein Gezeter, kein Geweine. Sie fragt mich: Magst du noch ein Bier oder einen Kaffee, und that’s it.

Gab es denn schon eine Familienzusammenführung mit allen Kindern und den Frauen?
Nein, aber das ist ein Traum von mir. Ich bin ein Familienmensch. Weihnachten ist ein Familienfest, zu dem gehören einfach Kinder, Mütter, Väter. Wer weiß...

Reicht Ihnen Ihre jetzige Großfamilie? Oder sagen Sie, mit der richtigen Frau könnte ich mir vorstellen, weitere Kinder zu haben?

Eine Freundin hat mir gestern einen Satz gesagt, den ich hier gern wiederholen möchte. Er lautet: Du bist ein junger, fruchtbarer Mann! Kinder sind für mich das Schönste. Und wenn es in einem intakten Elternhaus möglich ist, warum nicht? Aber derzeit ist das für mich kein Thema. Ich führe ein Leben, in dem ein weiteres Kind im Moment keinen Platz hätte.

Ist Ihre aktuelle Freundin, die Tänzerin Caroline Rocher, die Frau, mit der Sie eine gemeinsame Zukunft planen?

Wir leben im Hier und Heute. Caroline ist eine junge Frau, die ich seit einem Jahr kenne und die ich in dieser Zeit lieben und respektieren gelernt habe. Und sie ist zudem eine viel zu ehrgeizige Ballerina, um schon jetzt ihrem Privatleben Priorität zu geben. Sie lebt in New York, ich lebe in Zug. Wir sehen uns gern und oft, aber nicht jeden Tag und jede Woche. Damit ist genug gesagt.

Ein klares Ja oder Nein wäre uns lieber.

Dann sage ich euch etwas anderes: Ich hatte und habe Freundinnen, mit denen tausche ich keine Körperflüssigkeiten aus. Das gibt’s tatsächlich, und auch bei mir ist das so.

Das heißt konkret?

Sex in unserer Gesellschaft wird total überbewertet. Sicher, sex sells, das wissen wir alle, egal ob in der Zeitung oder im Fernsehen...

Aber?

Aber ich finde, wenn man einen Menschen trifft, dem man die eigene Seele öffnet, mit dem man sich auf dieser Ebene austauscht oder vereinigt, dann ist das zehnmal so intensiv, spannend oder erotisch als kalter Sex. Der gehört natürlich dazu, bringt Befriedigung, macht Spaß, ist aber längst nicht so intim und persönlich.

Wie groß war Ihr Spaßbedürfnis während der Ehe?

Ich war während meiner Ehe monogam, sieben Jahre lang. Aber ich denke auch, dass wir Männer nicht dazu geschaffen sind, unser ganzes Leben monogam zu sein. Ich trage heute keinen Ehering mehr und habe jetzt die Freiheit, das zu sagen und zu tun, was vielleicht viele denken und sich wünschen. Trotzdem meine ich, wir haben in Deutschland größere Probleme, als meine jeweiligen Sexpartner zu diskutieren. Ich verstehe nicht, dass dies die Öffentlichkeit immer noch interessiert.

Was glauben Sie, was Frauen an Ihnen so toll finden?

(Pause) Keine Ahnung. Ich bin nicht besonders reich, ich bin nicht besonders hübsch, ich bin kein Adonis, und meine Männlichkeit ist auch nicht überdimensional (lacht). Aber die Frauen scheint das nicht zu stören.

Und was gefällt Ihnen an den Frauen am meisten?

Ich bin seit Jahren auf der Suche, das weibliche Geschlecht zu verstehen. Aber je älter ich werde, desto weniger gelingt mir das. Als Erstes schaue ich einer Frau in die Augen, und dann wandert mein Blick natürlich zwangsläufig weiter nach unten... Wobei der Gang und die Haltung mindestens so wichtig sind wie der Busen und die Hüften. Insgesamt entscheidet natürlich die Persönlichkeit.

In der „Zeit“ hat Ihre Ex-Frau Barbara unlängst einen Traum geschildert. Zwischen den Zeilen konnte man herauslesen, dass sie die Hoffnung auf ein Comeback der Beziehung mit Ihnen nicht aufgegeben hat. Ist das aus Ihrer Sicht völlig ausgeschlossen?

Erst mal haben wir es geschafft – trotz aller Probleme –, mit unseren Söhnen als Familie intakt zu bleiben. Natürlich war das erste Jahr nach der Scheidung sehr schwierig. Ich habe diese Frau mal abgöttisch geliebt, und das ist heute nicht mehr der Fall. Aber wenn man zehn Jahre so intensiv zusammengelebt hat wie wir, bleibt immer ein starkes Gefühl, eine Form der Liebe erhalten.


Nach Babs betritt plötzlich auch wieder Sabs die Szene – Sabrina Setlur, Ihre erste Liebe nach der Scheidung. Auf ihrer neuen CD rappt die schöne Sängerin: „Willst du wissen sogar, wie der Sex mit Boris war?“

Es war viel Gefühl in unserer Beziehung, nur leider haben sich unsere Lebenswege anders entwickelt. Ich mag Sabrina, ich mag ihre Musik, und es ehrt mich, wenn sie über mich rappt. Weil es mir zeigt, dass ich wichtig war in ihrem Leben.

Spielt Sabrina Setlur in Ihrem Buch eine Rolle?

Ja, aber auch hier gilt: Ich enthülle keine Bettgeschichten oder so etwas.

Was wollen Sie in Ihrem Leben unbedingt noch erreichen?

Meine erste Karriere als Tennisprofi habe ich erfolgreich beendet. Jetzt freue ich mich auf mein zweites Leben als Unternehmer. Und ich bin gespannt, wo ich in zwanzig Jahren stehen werde.

Spätestens dann wäre es ja Zeit für das Werk „Faust 2“.

Das schreibe ich frühestens mit 70!





Boris’ schwerste Beichte:
Die Nacht im Hotel mit Annas Mutter


Von BORIS BECKER

Boris Becker (35) und seine uneheliche Tochter Anna (3) – jetzt verrät der Tennisheld erstmals, was wirklich in der verhängnisvollen Nacht in einem Londoner Hotel geschah. Ab heute in BILD: Exklusiv die intimen Geständnisse von Boris.

Der Tennis-Held, wie ihn keiner kennt: Boris Becker (35) spricht Klartext. In seiner Autobiografie „Augenblick, verweile doch...“ beschreibt er Abgründe, Glück und Schattenseiten seiner traumhaften Sportler-Karriere. BILD druckt exklusiv Auszüge aus dem fesselnden Buch vorab.

Lesen Sie heute:
Die intimen Sekunden mit Angela Ermakova – so war es wirklich.

Es war Ende Juni 1999. Ich stand allein auf der Terrasse meines Londoner Hotels. Der Tennis-Profi Boris Becker war gerade abgetreten, unwiderruflich. Nie mehr dieser Jubel der Massen, nie mehr der Centre Court von Wimbledon.

Ich wollte jetzt nur allein sein, raus auf die Terrasse. Dort habe ich geheult – Tränen der Befreiung, aber auch Tränen der Wut und der Verzweiflung.

Das Kapitel Tennis war nun abgeschlossen, meine Karriere endgültig beendet. Ein Gefühl der unendlichen Erleichterung hatte mich im ersten Moment gepackt.

Aber später im Hotel hatte ich prompt wieder einen dieser Streits mit Barbara, die in den letzten Monaten unser Zusammenleben immer unerträglicher machten.

Es war einfach zum Kotzen.

Der Auslöser heute war harmlos gewesen: Was macht ein Arbeiter, bevor er in Rente geht?

Er trinkt mit seinen Kollegen ein Bier, verabschiedet sich von der Belegschaft und widmet sich dann seiner Familie.



Ich wollte das auch so machen und ging nach dem letzten Match direkt ins so genannte Deutsche Haus, zum letzten Mal.

Die letzten Interviews, ein paar Bierchen mit den Journalisten. Schließlich waren diese Wimbledon-Berichterstatter auch eineinhalb Jahrzehnte Teil meiner Arbeitswelt gewesen.

Ein bisschen hatte ich wohl die Wirkung der paar Becks-Fläschchen unterschätzt. Direkt nach einem kräfteraubenden Match geht der Alkohol natürlich direkt ins Blut.


Vielleicht wäre ich sonst etwas besonnener gewesen, als Barbara mir nach der Rückkehr ins Hotel eine Szene machte.

Sie konnte und wollte einfach nicht verstehen, dass sie nicht sofort an erster Stelle stand.

„Noch einmal mit den Jungs, Barbara, nur noch einmal zum Abschied, dann kommst nur noch du!“ Es half nichts, wir stritten zwei Stunden lang.

Plötzlich setzten bei ihr die Wehen ein.

Sie war im siebten Monat mit unserem zweiten Sohn Elias schwanger. Waren die Wehen Ausdruck von Stress wie immer wieder mal in der letzten Zeit, vielleicht gar Vorwand zur Steigerung des Mitgefühls? Oder sollte Elias tatsächlich ein Sieben-Monats-Kind werden?

Barbara entschied, sich von ihrer Freundin Kim Steeb ins Krankenhaus bringen zu lassen. „Wenn es wirklich ernst wird, ruft mich an. Dann komm ich sofort“, versprach ich.



Was es schließlich war, das mich noch einmal in die Nacht raustrieb – ich weiß es nicht. Gegen dreiundzwanzig Uhr jedenfalls saß ich an der Bar des „Nobu“.

Sie war mir schon vor zwei Wochen aufgefallen.

Ich war mit Freunden im „Nobu“ gewesen, zum Wimbledon-Auftakt. Und sie hatte genau diese zwei Sekunden länger geschaut, die dem erfahrenen Jäger sagen: Die will was von dir. Jetzt war sie wieder da, ging zweimal an der Bar vorbei. Und wieder dieser Blick.

Einige Zeit später verließ sie ihren Tisch Richtung Toilette. Ich hinterher. Fünf Minuten Small-Talk, und schon ging’s in der nächstmöglichen Ecke zur Sache.

Anschließend kehrte sie zurück zu ihren Freundinnen, ich trank noch ein Bier, zahlte und fuhr mit dem Taxi zurück ins Hotel.

Nachdem auch dort keine Nachricht aus dem Krankenhaus vorlag, ging ich gegen zwei Uhr ins Bett. Am Morgen fuhr ich zu Barbara.

Die Wehen waren falscher Alarm gewesen.

Wir packten unsere achtundzwanzig Tennis-Taschen und Koffer und verließen England. An die Begegnung der ganz und gar überraschenden Art am Vorabend verschwendete ich keinen Gedanken mehr.

Im Februar des darauf folgenden Jahres hielt mir meine Sekretärin in München ein Fax mit seltsamem Inhalt unter die Nase...

„Sehr geehrter Herr Becker, wir hatten uns seinerzeit in London im ‚Nobu‘ getroffen. Das Ergebnis unseres Meetings ist nun bereits im achten Monat“, stand darauf sinngemäß und eine Telefonnummer. Ich wusste erst gar nicht, was das sollte, um was es ging.
Also rief ich an. Unmissverständlich teilte mir eine weibliche Stimme auf Englisch mit: „In einem Monat kommt dein Kind zur Welt.“

Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Natürlich hatte ich mich wieder an diesen Abend erinnert.

Aber, verflucht noch mal, das gab es doch gar nicht! Das ging doch überhaupt nicht! Ich will an dieser Stelle darauf verzichten, detailliert zu beschreiben, wie wir es gemacht, oder besser: nicht gemacht hatten.

Wir telefonierten nun jede Woche. Niemand in meinem Umfeld wusste von der Sache.

Ich flog schließlich nach London und traf mich mit der Dame in einem Hotel. Es erschien tatsächlich eine hochschwangere Frau.

Der Umgangston war geschäftlich: Wenn ich nicht bereit sei, die Verantwortung zu übernehmen, würde die Öffentlichkeit informiert, und es würde mir ergehen wie anderen Prominenten, etwa wie Mick Jagger, dessen uneheliches Kind mit einem brasilianischen Model wochenlang den Blätterwald beherrschte.

Am 22. März 2000 kam dann im Chelsea and Westminster Hospital ein Mädchen namens Anna zur Welt.

In der Zwischenzeit hatte ich in London Detektive von Pinkerton beauftragt, Nachforschungen anzustellen über die Mutter, die angab, als Kellnerin und Fotomodell zu arbeiten.

Nach zwei Monaten kam die Antwort: Ich solle nicht weiter recherchieren, es sei zu gefährlich.

Die Medien berichteten später von dunklen Machenschaften und Verbindungen zur Unterwelt. Und auch aus diesen Kreisen wurde mir signalisiert, nicht weiter rumschnüffeln zu lassen.

Also entschied ich mich, das Kind zu akzeptieren, wenn die Ärzte nachwiesen, dass es wirklich von mir war. Ich hatte einen Seitensprung begangen in einer für mich außergewöhnlichen Lebenssituation. Ein Verbrechen war das nicht, und erpressen lassen wollte ich mich auf keinen Fall.

Natürlich empfand ich große Scham. Wie sollte ich damit umgehen, wie sollte ich es meiner Frau, meiner Mutter oder auch Noah beibringen?

An einem Freitag im September 2000, also zwei Monate vor unserer Trennung, passte ich einen Moment ab, in dem Barbara und ich abends alleine waren in unserem Haus in Bogenhausen. Die Kinder schliefen schon, Barbara hantierte in der Küche herum.

Da fasste ich mir ein Herz und erzählte ihr alles, jedes Detail, und warum und wie es dazu gekommen war. Sie war natürlich überrascht, aber nicht hysterisch.

Sie konnte nicht glauben, wie es gelaufen war. Dass es so gelaufen war.

„Jetzt hast du alle Rechte der Welt. Du kannst gehen, du kannst sagen, wie es weitergehen soll. Ich liebe dich aber immer noch, und wenn es für dich irgendwie möglich ist, dann lass uns weiter zusammenleben.“ Zwei Tage lang dachte Barbara darüber nach.

„Ich weiß zwar noch nicht, wie, aber wir schaffen das.“ Ich war erleichtert.

Noah habe ich es erst einen Sommer später in den Ferien auf Mallorca gestanden. Wir fuhren allein im Auto.

Da habe ich meinem Kleinen in seiner Sprache erklärt, was er wissen musste – die schwerste Beichte meines Lebens.

Er hat zugehört, kein Wort gesagt. Keine Rückfragen, bis heute nicht. Ich war restlos erleichtert. Aber es wird der Moment kommen, wo er alles wissen will.

Nach monatelangem Tauziehen, wo, wann und wie der Vaterschaftstest durchgeführt werden sollte, gab ich in einem Londoner Krankenhaus heimlich eine Speichelprobe ab.

Im Februar 2001 stand es dann zweifelsfrei fest: Anna ist biologisch meine Tochter.

Sicherlich hat mein Seitensprung die Trennung von Barbara beschleunigt. Die Spannungen waren ja schon seit Monaten immer stärker geworden.

Auch wenn wir es nach meinem Geständnis wirklich weiter miteinander versuchen wollten, so wurde es vor allem für mich immer schwerer.

Barbara war wirklich bereit, sich mit der Situation zu arrangieren. Mir aber saß die Steuer im Nacken, dazu kamen weitere Probleme, und nun war ich gegenüber Barbara völlig in der Defensive – ein Zustand, den mein Naturell nicht erträgt.

Sie hatte mich in der Hand.

Bei jeder Diskussion hatte sie am Ende immer das Killer-Argument London. Das konnte ich zusammen mit all den anderen Problemen irgendwann nicht mehr ertragen.

Was aber wird aus dem Kind werden, was wird sie für ein Mensch werden? Die Mutter kannte ich überhaupt nicht, als es zu unserer einzigen Begegnung kam.

Auch später hatten wir kaum Kontakt, bis kurz vor Annas zweitem Geburtstag, als ich sie zum ersten Mal sah.

Bis dahin hatte ich Anna nicht als mein Kind betrachtet, die Ärzte hatten das getan. Würde ich trotzdem Vatergefühle für sie entwickeln?

„Schau, da kommt der Papa“, kündigte Annas Mutter mich an.

Mit gemischten Gefühlen betrat ich die Wohnung. Anna aber war ganz normal. Sie sprang mich nicht gerade an, war nicht gerade überschwänglich, aber sie hatte Zutrauen. Über eine Stunde spielten wir allein miteinander.

Natürlich ertappte ich mich dabei, wie ich sie unter die Lupe nahm: Wem sieht sie ähnlich, wie benimmt und verhält sie sich?

Seitdem besuche ich Anna alle zwei Monate, und auch mit der Mutter hat sich das Verhältnis normalisiert. Wir sprechen über Anna und über ihre Zukunft. Ich will lernen, meine Tochter zu lieben.


Das feine Londoner Hotel „Nobu“. Hier feierte Boris den Abschied vom Profi-Tennis. Wenig später kam es zum Blitz-Sex in der Wäschekammer

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