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Old 05-28-2005, 01:00 AM   #38
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Default Re: Kiwi interviews & articles

http://www.netzeitung.de/sport/tennis/340728.html

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Kiefer: "Jeden Tag so ein Spiel, dann ist man reif für die Anstalt"

Nicolas Kiefer hat sich gegen Arnaud Clement ein denkwürdiges Match geliefert. Nun steht er bei den French Open in der dritten Runde - und traut sich einiges zu.

Von Jörg Allmeroth, Paris
Es war ein schrilles Vergnügen an der Grenze zum Wahnsinn. Es war ein ebenso bizarrer wie leidenschaftlicher Kampf von Nicolas Kiefer gegen Arnaud Clement und 14.000 tobende Fans. Und es war ein ziemlich verrücktes Abenteuer, das für den siegreichen deutschen Tennis-Profi mit der zutreffenden Erkenntnis endete: «Jeden Tag so ein Spiel, dann ist man reif für die Anstalt.»


Dramatisches Duell
Vier Stunden lang brauchte Kiefer am Donnerstagabend, um den unermüdlichen Tennis-Arbeiter Clement auf der Hauptbühne der French Open, dem «Court Central», in die Knie zu zwingen. Hinter den nackten Zahlen des 4:6, 6:2, 6:2, 4:6, 6:4-Sieg verbarg sich eins der dramatischsten Duelle der letzten Pariser Grand Slam-Jahre – und eins der denkwürdigsten in Kiefers Karriere: «Was sich da draußen abgespielt hat, war nicht mehr normal», befand selbst Kiefers sonst so stoischer schwedischer Coach Thomas Hogstedt.

Fast wie Martina Hingis in dem unvergesslichen Damenfinale des Jahrgangs 99 gegen Steffi Graf hatte Kiefer schließlich die ganze Arena gegen sich aufgebracht – mit zweideutigen Gesten, angezweifelten Schiedsrichterentscheidungen und wilden Wutausbrüchen, bei denen er den Zuschauern in der ersten Reihe bedrohlich nahe kam. «Heute standen wahrscheinlich zehn Kiefers auf dem Platz – der gute Kiwi, der böse Kiwi, der brave Kiwi, der aggressive Kiwi», sagte Kiefer später; «die Stimmung war echt brutal, das hat mich aber erst so richtig heiß gemacht.» Statt die Atmosphäre zu beruhigen und zu entspannen, reizte Halb-Franzose Kiefer die Masse hitzig bis aufs Blut – in einer Verfassung, die mitunter an Untergangslaune oder vorsätzliche Selbstzerstörung erinnerte.

Kurioses Spiel
Genau so unberechenbar wie Kiefers Emotionen war auch seine sportliche Performance – ein kurioses Wechselspiel zwischen himmlischem und höllischem Niveau. An geniale Schläge reihte der Hannoveraner unfassbare Fehler an, über die sich, so Argentiniens Ex-Star Guillermo Vilas als Augenzeuge, «auch ein blutiger Amateur zurecht bitter geärgert hätte.» Wie ein unfreiwilliger Verwandlungskünstler kam sich auch Kiefer selbst vor: «Es war mal supergeil, dann grottenschlecht. Ich war oft genug an einem Herzinfarkt dran.»

Nach der turbulentesten Spielphase, als er im vierten Satz nach 0:5-Rückstand und Aufholjagd zum 4:5 doch sein Service zum 4:6 verlor, flüchtete Kiefer sogar unter höhnischem Gelächter und einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert aus dem Sand-Kasten. In der Toilette brüllte der Deutsche sich selbst im Spiegel an und ahnte später, «dass einige Leute sich da sicher gefragt haben: Was ist denn mit dem los?»

Immerhin: Im Nervenspiel des fünften, alles entscheidenden Durchgangs blieb Kiefer kühl genug, um ein frühes Break zum 1:0 eisern zu verteidigen. «Dass ich mich da behauptet habe, gibt einen Riesenschub.» Auch Kiefers mitleidende französische Oma Emilienne beglückwünschte zu guter Letzt den Enkel telefonisch zur gewonnenen «Schlacht im Hexenkessel», wenn auch nicht ohne erhobenen Zeigefinger: «Sie war überglücklich. Aber sie war auch ein bisschen sauer wegen der Mätzchen», so Kiefer, «sie kennt sonst eben nur die lieben Seiten von mir.»

Das Ende aller Nettigkeit auf dem Court nahm Kiefer aber auch als gutes Zeichen, wieder an die Stärken aus dem Spätsommer des letzten Jahres anknüpfen zu können – der Zeit vor seiner Handgelenksverletzung bei den US Open 2004: «Ich bin innerlich wieder explodiert. Da sind endlich die richtige Emotionalität und das nötige Selbstbewusstsein drin», sagte der 27-jährige, der überhaupt zum ersten Mal seit vier Jahren wieder die dritte Runde eines Sandplatzturniers erreichte.

Dort muss für ihn gegen den Russen Igor Andrejew noch längst nicht die Endstation erreicht sein: «Das ist eine machbare Geschichte. Aber ich muss vom ersten Moment an Vollgas geben.» Eine neue, bizarre Saga wie gegen Clement will Kiefer tunlichst vermeiden, schon wegen seiner Oma: «Auf Dauer hält sie das nicht aus.» Die Dame ist schließlich schon 90 Jahre alt.
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Carlos --- C'MON Lleyton!!! --- Kiwi!!! --- Jürgen --- Juan

Best of luck to all Germans : Nicolas Kiefer | Rainer Schüttler | Lars | Florian | Tommy
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